Dienstag, Mai 02, 2006

Reisebericht - Kiten in Ägypten, El Gouna bei Hurghada

Ein Sportreisebericht und Entscheidungshilfe für Nachfolger. 12.07.04 - 19.07.04


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Bild: El Gouna, Center.
Wieso El Gouna?
Es gibt viele gute Kitegebiete auf dieser Welt. Näher angeschaut habe ich mir Cabarete, Tarifa, Fuerteventura, Brasilien, Hurghada und El Gouna. Warum also wurde El Gouna das Ziel meiner Wahl? Mein Hauptkriterium war Geld, meine Wünsche: Soviel Kiten wie möglich, optimale Windbedingungen, viel Sonnenschein, warmes Wasser, gute Kitelehrer, gute Verpflegung.
Über die einzelnen Gebiete habe ich das folgende gehört:

1.) Cabarete: Leider ist der Flug in die Dominikanische Republik nicht ganz günstig. Das könnte daran liegen, dass es ca. 8000 km entfernt ist. Der Kitestrand soll phantastisch sein, aber mittlerweile leider auch schon sehr überfüllt. Anscheinend kann man ohne Neoprenanzug surfen gehen.

2.) Tarifa: Soll eine sehr schöne Stadt in Spanien, Andalusien sein. Sie gehört zur Iberischen Halbinsel. Nach Marokko in Afrika sind es knappe 20 km, nach Deutschland ca. 2000 km. Nordöstlich von Tarifa erstreckt sich eine Bergkette, von der man anscheinend an guten Tagen an die 400 Kiter sehen kann. Für Anfänger nicht wirklich geeignet, vor allem, wenn man seinen Kite noch nicht gut lenken kann. Für Profis soll es anscheinend ein sehr gutes Kitegebiet sein.

3.) Fuerteventura: Ca. 3000 km entfernt. Leider findet der Worldcup ab dem 17.7.04 auf Fuerteventura statt. Es soll sehr voll werden. Für Profis ein traumhaftes Wind- und Kitesurfgebiet. Immer laminarer starker Wind. Für Anfänger nicht sehr gut geeignet, da das Kitesurfgebiet nur Knietiefes Wasser hat und der Boden an einigen Stellen, die man sicherlich umfahren könnte, scharfe spitze Korallen hat, an denen man sich leicht verletzen kann.

4.) Brasilien: ca. 8000 km entfernt. Traumhaftes Kitegebiet, tolles Land, tolle Leute, günstige Kitesurfstunden, teuerer Flug. Anscheinend im europäischen Winter hervorragende Kitesurf Bedingungen. Im Juli soll der Wind nicht ganz so toll sein, das ist aber auch schon das einzig negative, was ich über Brasilien hörte. Leider hat Brasilien ein ähnliches Problem wie Cabarete, es ist einfach zu weit weg.

5.) Hurghada: ca. 3000 km entfernt. Am Roten Meer gelegen, gehört zur Region Al Bahr Al Ahmar in Ägypten. Ca. 500 km Nordöstlich nach Jerusalem, ca. 500 km Nordwestlich nach Alexandria und ca. 500 km Südlich zum Sudan. In Hurghada hat Tommy Friedl eine Surfschule, mit einer hervorragenden Website. www.tommy-friedl.com Hurghada ist ein Touristenparadies. Ein Hotel neben dem anderen. Große Hotelketten wie, Steigenberger, Mövenpick sind vertreten. Alle wunderbar schön gelegen. Kommt alles in allem in Frage.

6.) El Gouna: ca. 50 km Nördlich von Hurghada. Deutlich kleiner als Hurghada. El Gouna hat aber eine eigene Lagune. Robby Naish hat dort eine Wind- Kitesurfschule aufgemacht. www.kiteboarding-club.de Neustes, bestes Material 2004 soll vorrätig sein.

Bild: El Gouna, Center.

Wieso El Gouna bei Naish und nicht Hurghada bei Friedl?

Ich habe beide Surfschulen angerufen und ihnen die folgenden Fragen gestellt:
Bisschen geplaudert um rauszubekommen, wie die drauf sind!
Was für Material habt ihr vor Ort?
Steht ein Surflehrer zur Verfügung?
Wie groß ist die Gruppe der Personen, die sich einen Surflehrer teilen?
Was hält ihr von der anderen Surfschule?


Fangen wir mit El Gouna und Naish an.
Am Telefon habe ich irgendeinen Typen erwischt, der nur gebrochen Deutsch und gebrochen Englisch sprechen konnte. Dafür aber beides gleichzeitig. Er hat mich gefragt wann ich komme und das ich mir keine Gedanken machen soll, er sei der König in Ägypten, das könne ich im Kitemagazin nachlesen. Er meinte er hat seit 72 Stunden nicht mehr geschlafen, da sie für diejenigen, die jetzt wieder zurück Fahren eine große Party gemacht haben und er sei absolut fertig! Und noch was... Wenn ich in Hurghada lande, dann soll ich ihm doch eine Flascha Wodka mitbringen, die sitzen nach der großen Sauferei ein bisschen auf dem trockenen. Das hat schon mal geschockt, aber nun ja, mal schauen, was sie zu meinen Fragen sagen:
Material: Nur das neuste 2004er Equipment von Naish
Surflehrer: Ja, ja haben sie. Ich soll mir keine Sorgen machen. (Warum glaube ich ihm das nur nicht 100%ig?)
Gruppe: 5-6 Personen
Andere Surfschule in Hurghada: Ja da ist auch eine Surfschule, aber wir sind besser. Ich bin der König von Ägypten...


Hurghada und Friedl.
Am Telefon habe ich eine Angestellte von Friedl erreichen können. Sie war schon zu Hause, auch sie müsse mal Feierabend machen. Arbeiten sei ja so anstrengend. Es war 16 Uhr in Deutschland, 17 Uhr in Ägypten. Sieht aus, als habe sie einen angenehmen 9 to 5 Job. Was mache ich nur falsch? Der Eindruck, den ich von ihr bekommen habe war, dass sie schon lange im Geschäft sind, wissen was sie tun, und einen VDWS Schein kann man bei ihnen auch machen. Alles sehr solide und organisiert. Zu meinen Fragen:
Material: Kommt ganz drauf an, was gerade da ist. 2003 und 2004 Material sei vorhanden.
Surflehrer: Ist zwar einer da, aber ob der auch Zeit hat, dass müsse sie erst erfragen.
Gruppe: 5-6 Personen
Andere Surfschule in La Gouna: Das ist die Konkurrenz. Ich müsse es verstehen, wenn sie dazu nichts sagen kann.

Bild: Handtuchkrokodil.

Wer ist hier der König?
Eine dritte Person konnte hier helfen. Thomas B. Er ist Teilhaber der Surfstation in El Gouna und in Holland. Er ist Deutscher und Sportstudent. Leider ist er nicht mehr lange Teilhaber in El Gouna, da er größere Probleme mit den Ägyptern in Zusammenhang mit Verträgen hat. Er meint, es sei eine Katastrophe, Verträge zählen überhaupt gar nichts. Mündliche Absprachen genau so wenig. Noch ein Tip von ihm: Ich soll mich in Acht nehmen.
Thomas kennt beide Surfspots, den in Hurghada von Friedl und den in El Gouna von Naish. El Gouna ist, Thomas Meinung nach, 3 mal besser als Hurghada und das sagt er, obwohl er sich aus dem Geschäft zurückzieht! El Gouna ist, seiner Meinung nach, dass beste Gebiet zum Kitesurfen in 4-5h Flugweite. Hurghada, im Vergleich, ist laut Thomas super zum Windsurfen, aber nicht so gut zum Kiten, da der Wind schräg über die Hotelanlage bläst und dadurch böig wird. Die Kitearea in Hurghada ist leider nicht wirklich Tief und die Gefahr einer Verletzung ist gerade als Anfänger groß. Leider ist in Lee auch nicht viel Platz, so dass man sich als Anfänger in Hurghada fürchten muss.
Thomas hat mich überzeugt. Ab nach El Gouna. Schließlich möchte ich den besten Kitespot, und nicht die spießigsten Leute, haben. ;-)


Was muss man wissen? Eine Zusammenfassung:


Das Geld:
1 Euro = 7,734 Ägyptische Pfund; Stand 10.7.2004. In Ägypten bekommt man so ziemlich jeden Währungskurs für seine Euro. Offiziell bei der Bank sind es 7,15 Pfund für den Euro. Im Hotel weigern sie sich Geld zu tauschen, aber wenn ein Angestellter mitbekommt, dass man Geld tauschen möchte, dann läuft er einem hinterher und nach der nächsten Tür bietet er einem seinen Top Währungskurs von 5 Pfund für den Euro an.


Preise für Flug, Hotel:
Person Thomas Jan, Ina Stefanie, Vito, Lennart, Anna, Celina Helmut, Uschi Micha, Sandra
Abflugort Stuttgart Frankfurt Hamburg Frankfurt Düsseldorf
Fluggesellschaft Condor Air Kairo Air Kairo Air Kairo Air Berlin, ZSt in Luxor
Hotel Arena Inn Arena Inn nur Flug Arena Inn Arena Inn
Tage 7 7 14 14 7
Verpflegung All Inclusive All Inclusive Selbstverpfleger All Inclusive All Inclusive
Gebucht bei Lastminute.de billigweg.de (Reisegeier.de) Internet Teletext :-) Reisebüro
Reiseveranstalter Thomas Cook Plärer keiner Plärer Öger Tours
Preis in Euro / Person 585 395 420 499 530


Wind:
Wie am 2. Tag festgestellt muss es nicht immer windig sein. Es kann auch passieren, dass es einfach keinen Wind gibt. Das muss man vorher unbedingt wissen um seine Erwartungen richtig einstellen zu können und nicht stark enttäuscht zu sein, wenn es dann ein oder zwei Tage lang keinen Wind gibt.
Bild: Preisverhandlung beim Mopedverleih.

Moped:
Ein Moped für die Woche kostet 660 Pfund, das sind ca. 90 Euro. Ich habe 50 Euro gezahlt und man hat sich darauf eingelassen. Wer sich ein Moped leiht ist flexibel. Er kann in ganz El Gouna in ein Hotel seiner Wahl gehen und ist mit dem Moped in max. 10 Minuten zur Kitebeach unterwegs.


Sonnenschutz:
Jeden Morgen nach dem Duschen habe ich mich mit Nivea 30 Kindersonnencreme extra Wasserfest und farbig (türkies) eingecremt. Jeder muss selber wissen, wie er sich vor der Sonne schützen kann. Ich möchte mich nicht ständig eincremen und werde lieber langsam braun. Der Vorteil bei einer langsamen Bräunung ist, daß die Bräune länger anhält und man gleichmäßiger braun wird. Kiten war ich immer nur mit T-Shirt, außer am Abend, wenn die Sonne schon am Untergehen war und der Himmel langsam Orange wurde. Sonnenbrand habe ich mir keinen geholt, ich wurde noch nicht mal rot. Jeden Abend habe ich mich noch zusätzlich mit Nivea Aftersun eingecremt.
Bild: Melonenkerneweitspucken.

Stehrevier:
El Gouna hat eine Lagune. In El Gouna sieht das wie folgt aus: Beim maximalen Wasserstand fällt das Wasser auf den ersten 10 m auf ca. 40 cm ab. Dann geht es die nächsten 200-300 m bis 1 m runter. Danach fällt es schneller ab. Viel weiter, als bis zu dieser Grenze kam ich nicht.


Lutz:
Lutz ist Shaper für Adrenalin. Seine Marke. Zu Hause hat er einen Shop, in dem er seine Kiteboards verkauft. Zusätzlich verkauft er sie in ausgesuchten Läden seiner Wahl. Er ist zufälliger Weise zur gleichen Zeit in El Gouna, wie ich. Was für ein Glück. Lutz ist schätzungsweise knapp 60, welches ihn zum alten Hasen unter den Kiteboardern macht. Er ist auf der ganzen Welt unterwegs um seine Handgefertigten Kiteboards zu testen, obwohl er zusätzlich 2 Profi-Kiteboarder unter Vertrag hat. Jedes Kiteboard, welches er verkauft, wird von ihm Handangefertigt. Mit dieser Methode kommt er auf max. 1 Kiteboard pro Tag. Er hat, wie er sagt, keinen Sklaven, der für ihn arbeitet. Seine Kiteboards sind aus hochwertigen Materialien. Der Kern besteht aus Hartschaum. Herex, oder Airex, wie sie seit neustem heißen. Das ist eine grüne Masse, die für alles Mögliche verwendet wird. Z.B. im Wohnmobilbau. Die Oberfläche ist z.B. aus Texalin, oder aus Aluminium bedampften Glasgewebe.Materialien, welche für die Optik verwendet werden. Die Inserts sind M6 Muttern aus Edelstahl mit Zollgewinde. Das hält besser, als ein Metrisches Gewinde und hat sich im Kitebau allgemein durchgesetzt. Die Schrauben sind V4a oder V2a Schrauben aus Edelstahl.
Der Hartschaumkern ist von Kohlefastern und Glasgewebe Schichten umgeben. Je nachdem, wie man diese Schichten aufbaut hat das Kiteboard unterschiedliche Eigenschaften und genau dieser Punkt macht ihn so unglaublich gut! Lutz hat schon Regattaboards, Snowboards, Wakeboards, Windsurfboards und Kiteboards geshaped.
Wie bei Snowboards gibt es auch die Möglichkeit Kiteboards mit zwei Aluminium Scheiben an den Stellen, an denen normaler Weise die Fußschlaufen kleben, zu bekommen. Das ist zwar 600 Gramm schwerer, aber dann kann man das Board auch als Wakeboard für den See benutzen. Lutz ist der Beste.


Sicherheit:
El Gouna scheint sehr sicher zu sein. Meine Digicam, mein Notebook, mein Handy, mein Palm und mein Geldbeutel habe ich sicher wieder nach Deutschland gebracht.


8 Tage in El Gouna: Was kann man wirklich machen?
Bild: Abflugstafel.

1. Tag, Montag: Anreise

12.10 Uhr geht mein Flieger nach Hurghada. Der Flug ist mit Gegenwind auf 4h berechnet worden. Eine Stunde Zeitverschiebung macht 17.10 Uhr. Am Flughafern holt mich Maurice ab. Meinen Namen auf seinem Schild muss ich erraten, da er falsch geschrieben ist. Maurice klebt mir zwei Briefmarken in meinen Pass und möchte dafür 25 Euro haben. In einer Email des Reiseveranstalters wurde ich schon darauf aufmerksam gemacht, ansonsten hätte ich mich geweigert die 25 Euro zu bezahlen. Die Fahrt vom Flughafen in Hurghada nach El Gouna dauert ca. 40 Minuten. Verkehrsregeln gibt es keine. Links Abbiegen auf der Autobahn, Motorrad Fahrer ohne Helm, alles kein Problem.
Bis ich im Hotel angekommen bin ist es schon 18.00 Uhr. Erst mal muss ich mich gründlich umschauen. Wie sieht das Hotel aus, wie die komplette Anlage, wie mein Zimmer?









Essen gibt es von 19.00 - 21.00 Uhr. Da bleibt noch genug Zeit das Captains Inn an der Kiteschule zu suchen. Ich laufe also los Richtung Meer um dann am Meer entlang Richtung Norden zu laufen, da ich weiss, dass das Captains Inn das nördlichste Hotel ist.
Bild: El Gouna, Downtown.

Auf dem Weg ans Meer komme ich an einem großen Schild in Freizeitparkschrift auf dem "Downtown" steht. Das muss wohl die Stadtmitte sein, oder eher Dorfmitte. Die ersten zwei Bilder sind von der Dorfmitte. Es gibt einen kleinen Einkaufsmarkt mit einer unmenge an Sonnencremen. Es gibt sogar ein kleines Ägyptisches Museum. El Gouna ist 12 Jahre alt und der einzige Grund den ich mir vorstellen kann, warum es hier ein Museum gibt ist, dass man das in den Reisekatalog schreiben kann. Das Captains Inn habe ich leider nicht mehr finden können, da jeder, den ich gefragt habe mir etwas anderes gesagt hat. Die Leute, die ich gefragt habe, kennen sich nicht besonders gut aus. Im Laufe der Zeit werde ich das noch häufiger feststellen. Ich gebe die Suche nach der Kitestation auf. Jetzt erst mal Abendessen gehen und morgen ist ja auch noch ein Tag.


2. Tag, Dienstag: Kitestation
Im Hotel nach der Kitestation gefragt meinten sie, dass ich den Bus nehmen müsse. Das Ticket für die Woche kostet 10 Pfund. Die Bushaltestelle ist in der Nähe und da warteten auch schon einige Kleinbusse. Die Fahrt dauert ca. 15 Minuten plus 5 Minuten zur Kitestation laufen. Als ich ankomme sind gerade Dreharbeiten an der Kitestation.
Einer der Ägypter kommt auf mich zu und fragt mich, ob ich gestern angerufen hätte. Ja, das war ich! Mir brennt es schon unter dem Ar... Ich möchte Kiten! Leider ist der Deutsche Kitelehrer noch nicht da, aber er kommt sicherlich in 20. Minuten. Aus diesen 20 Minuten werden dann 2 Stunden. Solange schaue ich mir die Dreharbeiten an. Hier ein paar Bilder der ägyptischen Version von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".










Irgendwann kommt dann der deutsche Surflehrer Ben mit seiner Freundin Alex, die ihn gerade in Ägypten besucht. Nun ist mir auch klar, warum er erst so spät kommt...
Heute ist leider kein Wind. Vielleicht ist es morgen besser, aber heute kann man nicht surfen gehen. Anscheinend wurde für Donnerstag Wind angesagt. Das habe ich mir so nicht vorgestellt. Ich hörte immer Hurghada und El Gouna seien absolut Windsicher! Jetzt fliege ich 3000 km zum Kiten nach Ägypten und es gibt keinen Wind. Das ist frustrierend. Morgen ist erst Mittwoch, den muss ich dann wohl irgendwie überbrücken. Das hört sich für mich nach Sonnenbaden und Nichtstun an. Damit ich besser unterwegs bin leihe ich mir noch ein Moped aus. Es soll 660 Pfund kosten. Das sind zu deren Kurs 90 Euro. Ich bieten ihm 50 Euro an und nach ein paar Minuten Handelszeit lässt er sich darauf ein. Wunderbar. Jetzt muss ich nicht mehr auf den Bus waren, sondern bin flexibel.
Russen, Polen, Tschechen, Holländer, Schweden und Deutsche sind zurzeit die Hauptgäste. Ich bekomme das Gefühl nicht los, das ich zu der Gruppe der Topzahler gehöre. Michael und Caro haben für die Woche nur 449 Euro pro Person gezahlt. Ich musste 585 Euro hinblättern. Dieser Fakt hat mich dazu bewogen mich allgemein umzusehen, was die Anderen so bezahlt haben. In der Zusammenfassung ist eine Übersicht der Leistungen und Preise.
Im Hotel sind ausschließlich Pärchen und Familien. Ich bin mit Sicherheit einer der wenigen, die alleine gekommen sind. Diejenigen, die aus dem Ostblock hier sind kann man wunderbar erkennen. In der Regel sind die Männer muskelbepackte Brecher und die Frauen einfach die schönsten! Super schlank und große Argumente. Manchmal frage ich mich, ob die andere Vitamine bekommen?
Ich muss den Tag heute irgendwie rumbekommen. Es ist Windstill und das Einzige, was ich machen kann ist mich an den Strand zu legen und zu faulenzen, oder mich zu sonnen.
Zum Glück habe ich Michael und Caro am Pool getroffen. Nach ein paar Argumenten sind sie mit mir an den Strand gegangen. Caro hat eine Schnorchelausrüstung mitgebracht. Es ist wirklich schön. Nemos, Doris und all die Freunde aus dem Film "Findet Nemo" sind da. Abgesehen von den Haien, aber die möchte ich gar nicht kennen lernen.


3. Tag, Mittwoch: Die Anfänge
Meine ersten zwei Versuche bei der Kitestation anzurufen sind leider erfolglos geblieben. Nach dem Frühstück nehme ich mein Moped und fahre hin. Bernd und Nele sind da und hängen im Office rum. Heute sieht es besser aus. Der Wind hat aufgefrischt, aber leider ist das Wasser nicht da! Super! Es handelt sich also auch um ein Gebiet, welches von den Gezeiten stark beeinflusst wird. Gezeiten merkt man immer dann, wenn das Wasser relativ flach ist, sodass eine Absenkung des Wasserspiegels zum Vorschein des Untergrundes führt.
Wir haben uns auf 13.30 Uhr verabredet und wollen dann mit den Unterrichtsstunden anfangen. Ab ins Hotel, essen schreiben, und dann wieder zurück. Ich möchte endlich Kiten.
Bild: Nele, Bernd.

Der Wind ist da. Er ist nicht sehr stark, aber für einen Anfänger stark genug. Bernd erklärt die ganzen Begriffe direkt am Kite. Die Begriffe sind halb Deutsch und halb Englisch. Es heißt Fronttube und Quickrelease, aber Flugleinen und Steuerleinen. Zum ersten Mal habe ich Bernd beim Start geholfen, in dem ich den Kite festgehalten habe. Der Kite wurden dann an den Rand des Windfenster gebracht. Von dort aus musste ich ihn nur noch loslassen. Bernd hat ihn erst mal in den Zenit gelenkt und ihn mir dann übergeben. Der Kite lässt sich wie ein normaler Lenkdrachen fliegen. Da gibt es keinen Unterschied. Rechts ziehen, der Kite fliegt nach rechts. Links ziehen, der Kite fliegt nach links. Das ist ein Kinderspiel. Anscheinend kann man dabei viele Fehler machen. Bernd meinte, dass viele den Kite so lenken wollen, wie man ein Auto lenkt. Also, die Bar als Lenkrad benutzen und versuchen sie zu drehen. :-)
Um sich optimal zum Kiten vorzubereiten, sollte man einen Lenkdrachen nehmen und diesen fliegen lassen. Wer seinen Lenkdrachen auch noch Blind fliegen kann und ihn im Gefühl hat, der hat seine Kitelehrzeit um sicherlich einige Tage extrem Kraftaufwändiges Kitehandling verkürzt. Das kommt seinem eigenen Geldbeutel direkt zu Gute.
Bernd hat mich mit dem Kite spielen lassen um die Kraft, die er entfalten kann, wenn er durch die Powerzone geflogen wird, zu spüren. Der Kite zieht, wie ein Bärber der keine Gnade kennt. Endlich bin ich zum Steuern des Kites und dem Manöver nach einer Wasserlandung gekommen. Bernd ist ein sehr guter Lehrer. Er hat gleich gemerkt, dass mir das Handling keine Schwierigkeiten bereitet. Also hat er mir vorgeschlagen gleich zum 4 Leinen Kite aufzusteigen. Beim 4 Leinen Kite hat man die Möglichkeit den Einstellwinkel zum Wind selber zu beeinflussen. Leider war nach dem ganzen Erklären zum 4 Leinen Kite der Wind weg und wir haben uns für den nächsten Tag zwischen 13.30 und 14.00 Uhr verabredet. Um diese Uhrzeit sollte zum einen der Wind und zum Anderen das Wasser da sein.
Heute Abend ist erst mal Party neben der Kitestation angesagt. Jupee...


4. Tag, Donnerstag: Wasserschlucken
Die Party ist wirklich gut. Stellenweise haben sie phantastische Musik gespielt. Nach 2 einheimischen Bier war ich schon dicht und bin ein bisschen rumgelaufen um den Alkohol abzubauen, da ich ja mit dem Moped wieder zurück musste. Der Himmel in El Gouna ist wunderschön. Man kann deutlich die Milchstrasse sehen.
Oh, was für Kopfschmerzen. Das einheimische Bier ist glaube ich nichts für mich. Wie gut, dass ich erst wieder am Nachmittag zur Kitestation muss. In meinem Zustand kann ich noch nicht mal gerade stehen. Am Nachmittag ist der Wind mal wieder bisschen schwächer, aber wir bauen trotzdem einen 12 qm 4 Leiner Kite auf um ein paar Übungen zu machen. Bodydrag: Mit dem Bauch aufs Wasser legen, den Kite in Achten fliegen lassen uns sich vom Kite nach vorne (Richtung Lee) ziehen lassen. Ein Kinderspiel. Bis jetzt hat mich wirklich noch gar nichts herausgefordert. Der Kite sieht einen mächtig über das Wasser, aber gleichzeitig auch nach oben, sodass man wunderbar über das Wasser gezogen wird.
Bild: Lennart.

Die nächste Übung heißt einhändiger Bodydrag. Hä? Was ich mit zwei Händen kann, kann ich doch auch mit einer! Ne, beim einhändigen Bodydrag versucht man seinen Körper seitlich ins Wasser zu legen einen Arm auszustrecken und dabei Höhe zu laufen. Der Kite befindet sich dabei am Windfensterrand. Ja, kein Problem. Ich liege wie eine Eins im Wasser, Arm ausgestreckt, Kite am Windfensterrand, die erste Welle kommt über mich und ich bin am Wasserschlucken und am Husten. Bäh, was ist denn das für ein Manöver? Vielleicht hätte man mir vorher sagen sollen, dass ich meinen Mund mal schließen soll. Ok, es sind nicht immer die Anderen schuld... Nach einigen einhändigen Bodydrags hin und her komme ich tatsächlich hinter Bernd an. Es funktioniert wirklich. Notfalls kann ich mein verloren gegangenes Board wieder holen. Leider lässt der Wind mal wieder nach und wir müssen abbauen. Naja, was soll's? Ich war im Wasser und bin bisschen hin und her gebodydraged.
Aber, eh plötzlich kommt der Wind wieder. Ich mache also Druck und will auf das Wasser. Nele meint, es sei zu wenig Wind, aber Bernd sagt, dass ich aufbauen soll. Wie schön, das ist wie bei Papa und Mama und auch damals konnte man sich die einem angenehmere Meinung umsetzen. Ich also lege mich auf die Hängematratze und warte auf mehr Wind! Quatsch! Ich habe so schnell wie möglich einen 16qm Kite aufgebaut, mir die Neoprenschuhe angezogen, das Trapez angelegt und den Kite gestartet. Als Bernd kommt fällt ihm auf, dass mein Saftyleach nicht am Körper befestigt ist. Shit, ich glaub das kostet einen Kasten. Ich merke, dass ich ganz schön auf Adrenalin bin, wenn ich so eine wichtige Sache vergesse. Das wird mir nie wieder passieren, hoffe ich.
Bild: Nele, Bernd.

Bernd bringt mir ein sehr großes Board mit. Wir wollen den Wasserstart üben. Kite in den Zenit lenken, sich ins Wasser setzen, das Board an den Füssen befestigen und dann wird es interessant. Bernd erklärt mir, dass ich erst den Kite in die Richtung lenken soll, in die ich nicht möchte. Damit bringe ich den Kite in die Powerzone und kann ihn dann kräftig in die Richtung lenken, in die ich fahren will. Füße nah ans Brett um leichter drauf zu kommen, vorderer Fuß ausgestreckt, hinter Fuß eingeknickt, Gewicht nach hinten und fahren. Bernd hat mir auch erklärt, was die häufigsten Anfängerfehler sind. Zum Beispiel mit beiden Füßen gleichmäßigen Druck auf das Brett ausüben und dabei stotternd über das Wasser nach Lee fahren. Habe ich gemacht. Oder das Gewicht nicht nach hinten zu verlagern und dann nach vorne über das Brett zu fliegen. Habe ich auch gemacht. Oder den Kite nach dem Starten nicht mehr in Sinuskurven fliegen, sondern ihn zu vergessen und wieder mit dem Po im Wasser landen. Habe ich auch gemacht. Ich denke, ich habe so ziemlich jeden Fehler gemacht, den man machen kann. Und was ich bei jedem Startversuch an Höhe verloren habe. Unglaublich. Ich musste immer wieder minutenlang zurück laufen, dabei kam mir Bernd schon immer entgegen. Das kann ich also schon gut. Höhelaufen.

Bild: Sandra (Bernds Freundin), Thomas.
Bild: Kitestation Mitarbeiter.
Bild: Thomas.



5. Tag, Freitag: Üben, üben üben
Bild: Kiten. Ich komme kurz nach 9.00 Uhr in der Kiteschule an. Nele und Bernd sind schon da. Der Wind ist spitze. Wir nehmen uns ein 12 qm Kite und gehen aufs Wasser. Bernd geht mit mir noch mal kurz den Wasserstart durch. Die ersten Versuche werden gleich wieder schöne Schleuderstürze, da der Wind doch sehr stark ist und ich den Kite nicht so weit in die Powerzone fliegen darf. Nach einigen Starts fahre ich dann doch tatsächlich bis zum Ende des stehtiefen Bereichs. Jetzt sollte ich auch wieder zurückkommen. Das ist gar nicht so einfach, da das Rausfahren meine Schokolanden Seite ist. Ich verliere ordentlich an Höhe, aber ich komme wieder reingefahren. Jupee... Das Programm sieht wie folgt aus. Rausfahren, reinfahren, zu Fuß wieder hoch in den Wind laufen. (Das ist der anstrengende Part!) Über Mittag fahre ich immer ins Hotel um mein All Inclusive zu nutzen und es lohnt sich. Das Essen ist wirklich gut. Ich bin froh, dass ich mich nicht selber darum kümmern muss. Dann noch ein kleines Nickerchen, da ich schon wieder so fertig bin und am Nachmittag geht es dann weiter.
Der Wind war leider nicht mehr so stark, also baue ich einen 16 qm Kite auf. Als ich fertig mit Aufbauen bin frischt der Wind auf, ich baue den Kite wieder ab und baue einen 12 qm Kite auf. Der Wind will mich glaube ich ärgern!
Bild: Kite parken.
Bernd meint, dass ich jetzt an dem Punkt angekommen bin, an dem es für mich üben, üben und noch mal üben heißt. Er schaut sich die Sache vom Strand aus an, aber jetzt liegt es an mir, wie gut ich hin und her fahren kann. Jetzt heißt es Zähne zusammen beißen und durch. Ich verliere immer noch grandios an Höhe. Einmal rein und wieder raus Fahren kostet mich zwischen 30 und 100 Metern. OK, 30 war mein Rekord für den Tag. :-)

Bild: Gäste, Franzosen.
Bild: Partygebäude bei Tag.



6. Tag, Samstag: Höhe gehalten
Bilder: Muscheln fies! Unangenehm zum Draufdappen.
Heute Vormittag hat der Wind so stark geweht, dass ich nicht üben durfte. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Am Anfang habe ich einen Tanz für mehr Wind aufgeführt und jetzt hoffe ich auf weniger Wind. Das ist schon verrückt. Am Nachmittag sah es immer noch nicht besser aus. Der Wind war einfach zu stark. Gegen Abend hat er dann auf einmal nachgelassen und ich durfte raus. Ich habe Lutz sein konkav geshaptes Kiteboard, welches wie ein doppelt so breites Snowboard aussieht, genommen, und ich habe es doch tatsächlich geschafft an dem Punkt wieder anzukommen, an dem ich auch gestartet bin. Das war ein super Gefühl! Endlich keine Höhe mehr zu Fuß laufen. Das Anstrengendste am Kiteboarden habe ich hinter mir.
Bild: Starthilfe.

7. Tag, Sonntag: Höhe gelaufen

Vormittags war es wieder so, wie gestern. Der Wind hat aus allen Rohren geblasen. Ich durfte wieder nicht raus. Nicht raus zu dürfen ist so super...


8. Tag, Montag: Strassenbahnwende
Um 16.00 Uhr werde ich im Hotel abgeholt und dann geht es wieder zurück nach Deutschland. Aber erst mal Kiten!
Der Wind bläst mit 20 Knoten, das entspricht 11 m/s, das entspricht ca. 40 km/h. Vorgestern war das noch zu viel Wind für mich, aber seit gestern ist das nicht mehr das Problem. Ich wähle einen 9 qm Kite und gehe raus aufs Wasser. Wasserstart, höhelaufen, hin- und herfahren, alles kein Problem mehr. Also habe ich mir wieder ein kleineres Board genommen. Lutz meinte schon, dass ich auf ein kleiners Brett steigen soll, die Tür ist bei den Bedingungen nun wirklich zu groß für mich.
Bild: Gäste Schweizer. Ihre Haare waren nicht immer so :-)

Ich nehme mir eins von seinen kleinen leichten Boards. 148 cm lang und unglaublich leicht. Das Board braucht schon eine leicht höhere Grundgeschwindigkeit. Starten klappt aber auf Anhieb. Es ist ein bisschen wackliger, aber dafür kann man sich damit so richtig schön ins Trapez hängen und wunderbar Druck gegen das Wasser aufbauen. Ich fahre immer weiter raus, um immer mehr Höhe zu gewinnen. Das Wasser ist wunderbar türkies und man kann den Grund, der weit draußen, ca. 10 m tief ist klar sehen. Es ist traumhaft! Beim rausfahren werde ich langsam immer langsamer und suche mir ein gemütliches Plätzchen zum stehen bleiben, um auf keinen Fall mich auf die Korallen zu setzen, die weiter draußen wunderschön im Wasser zu sehen sind. Gut, ein anderer Grund ist, dass ich auf keinen Fall mein Board verlieren möchte. Beim Starten macht es keinen Unterschied, ob man im Wasser auf Grund sitzt, oder frei schwimmt. Außer das man beim Sitzen auf Grund nicht an Höhe verliert.
Bild: Sonnenuntergang.
Als ich sowieso schon nicht mehr kann schwächelt der Wind und der 9 qm Kite bringt mich nicht mehr so richtig voran. Jetzt kann ich auch aufhören. Was für ein Sporturlaub! Es war traumhaft und ich kann jetzt kiten!
Bild: Stationsmitarbeiter
Bild: Starthilfe und Lutz
Bild: Die coole Kitestation

360° Panoramabild:

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Generally I do not post on blogs, but I would like to say that this post really forced me to do so! really nice post.

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